19.08.2026
Groß in Schweißtechnik
saarwirtschaft 08 – 09 | 2026
Das Saarlouiser Familienunternehmen F.T.B. Krevet feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen – und investiert in seine Zukunft.
900 Tonnen Schweißdraht lagern auf 15-Kilo-Spulen und in 250-Kilo-Fässern in den Hallen der F.T.B. Krevet GmbH in Saarlouis. Würde man den Draht aneinanderlegen, ergäbe das eine Strecke von rund 150.000 Kilometern – genug, um die Erde mehr als dreieinhalb Mal zu umrunden. Für Ulrich Krevet ist diese enorme Lagerhaltung kein Zufall, sondern Teil der Unternehmensstrategie:
„Die große Lagerhaltung und die damit verbundene Lieferfähigkeit just-in-time sind einer unserer größten Vorteile.“
Das Saarlouiser Familienunternehmen feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen und gehört damit zu den traditionsreichen mittelständischen Betrieben der Region. Seit Jahrzehnten steht der Name Krevet für Kompetenz rund ums Schweißen, Schneiden und industrielle Verbindungstechnik. Gelände mit Westwall-Bunker Wer das rund 15.000 Quadratmeter große Firmengelände am Übergang von der Innenstadt nach Roden betritt, stößt zunächst auf ein ungewöhnliches Bauwerk: einen massiven Westwall-Bunker aus dem Jahr 1939. Das historische Relikt gehört heute zum Betriebsgelände und macht das Unternehmen wohl einzigartig im Saarland. „Wir sind Eigentümer dieser Anlage“, sagt Geschäftsführer Ulrich Krevet mit einem Schmunzeln. Der Bunker sei kein touristischer Anziehungspunkt, aber durchaus ein sichtbares Mahnmal vergangener Zeiten. Heute führt Ulrich Krevet den Traditionsbetrieb gemeinsam mit Stefan Dörr, der seit März dieses Jahres als Geschäftsführer tätig ist. Der Schweißfachingenieur Ulrich Krevet und sein Team kümmern sich um alles rund um Schweiß- und Schneidtechnik: vom Fachgroßhandel über Schweißanlagen, Elektroden und Schweißdraht bis hin zu Reparaturservice und moderne Roboterautomation. Die vergangenen Jahre brachten Herausforderungen mit sich. Die Corona-Pandemie hinterließ Spuren, zugleich veränderte sich die industrielle Struktur im Saarland massiv. „Wir haben immer weniger Betriebe im Saarland, die Schweißtechnik benötigen“, erklärt Ulrich Krevet. Besonders der Wegfall großer Kunden aus dem Umfeld von Ford und der Automobilzulieferer habe das Unternehmen zum Umdenken gezwungen. Die Antwort war ein strategischer Ausbau des Absatzgebietes. Heute beliefert die Firma Kunden in einem Radius von rund 500 Kilometern rund um Saarlouis. Dazu gehören Unternehmen in Luxemburg ebenso wie in Frankreich. Für den französischen Markt verfügt die Firma seit zehn Jahren sogar über eine eigene Tochtergesellschaft in Lothringen beziehungsweise der Region Grand Est.
Zwei neue Lagerhallen
In den vergangenen fünf Jahren investierte das Unternehmen rund zwei Millionen Euro in die Zukunft des Standorts. „Es entstanden zwei neue Lagerhallen mit neuester Solartechnologie mit 300 Kilowatt Leistung.“ Ein fünfköpfiger Außendienst betreut Kunden direkt vor Ort und unterstützt bei technischen Lösungen rund um Schweißanwendungen. Besonders stolz ist man auf die eigene Schweißdrahtmarke „UK-WELD“, die sich laut Geschäftsführer Stefan Dörr inzwischen erfolgreich am Markt etabliert habe und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis biete. Bundesweit zählt sich Krevet heute „zu den größten Fachunternehmen der Branche“. Kunden kommen unter anderem aus dem Stahl- und Hallenbau, dem Kranbau, dem Maschinenbau oder aus Schlossereien. Doch die Krise der deutschen Industrie mache sich bemerkbar, sagt Ulrich Krevet. Statt neue Anlagen anzuschaffen, ließen viele Betriebe ihre Geräte reparieren. „Daran merken wir schon, dass die Unternehmen bei Neuanschaffungen vorsichtiger geworden sind.“ Die voll belegten Reparaturlager sprächen eine deutliche Sprache.
Mit rund 35 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen heute einen Jahresumsatz von etwa 15 Millionen Euro. Gegründet wurde die Firma am 1. Januar 1946 von Franz Theodor Bodo Krevet – daher die Buchstaben „F.T.B.“ im Firmennamen – gemeinsam mit seiner Ehefrau Angela, geborene von Rauch. Sohn Bodo Krevet, geboren 1929, begann als erster Lehrling im Familienunternehmen und blieb ihm 79 Jahre lang treu. Der in Saarlouis bekannte Unternehmer arbeitete selbst im hohen Alter noch täglich im Betrieb mit. Im März 2025 starb er im Alter von 95 Jahren. „Zwei Monate vor seinem Tod hat er als leidenschaftlicher Jäger in einem gepachteten Jagdrevier im benachbarten Rheinland-Pfalz noch einen Hirsch erlegt“, erzählt Ulrich Krevet. Für die Zukunft hat die Familie klare Ziele: Die Selbstständigkeit des Unternehmens soll fortbestehen. „Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben.“ Nach acht Jahrzehnten Firmengeschichte bleibe die Devise „bodenständig bleiben, modern denken – und auch in schwierigen Zeiten fest zusammenhalten“
Text: Udo Rau, Foto: Rolf Ruppenthal